Kulturbetrieb Arnstadt

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Auszeit - Andreas Krüger

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Festsaal

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Audienzzimmer

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Rotes Eck-Kabinett

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Mon Plaisir

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Bilderkabinett Das Bilderkabinett vermittelt durch seine grüne Tapete, die im Bandelwerkdekor bemalten Lambris und Türen, die Möbel und die mehr als fünfzig Gemälde in dichter barocker Hängung eine Ahnung sein Mehr

Puppenstadt "Mon plaisir"

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Der Besuchermagnet im Schlossmuseum Arnstadt ist die weltweit einmalige Puppenstadt „Mon plaisir“ – „Mein Vergnügen“ – der Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt (1666–1751).

Sie schuf dieses Kleinod größtenteils während ihrer 35jährigen Witwenzeit auf ihrem Lustschloss Augustenburg bei Arnstadt. Die einmalige Miniaturwelt spiegelt im Detail das Bild einer kleinen Residenz zur Barockzeit wieder: Eine regelrechte Puppenstadt - die vom Umfang und der Geschlossenheit der Sammlung weit über die Zielstellung vergleichbarer Puppenhäuser in Nürnberg, Amsterdam, Utrecht, Frankfurt/M. oder London hinausgeht. Darüber hinaus wird hier auch ein Stück Sozialgeschichte erlebbar gemacht, zeigt das "Mon plaisir" doch neben dem höfischen Umfeld ihrer Schöpferin auch die Lebensverhältnisse der anderen sozialen Schichten der damaligen Zeit.

In 82 verschiedene Szenen aufgeteilt, vermitteln die heute erhaltenen 391 Figuren und etwa 2.670 einzelnen Inventargegenstände einen Eindruck nicht nur vom Leben am Hofe, sondern auch vom Leben der einfachen Bürger, Handwerker und Bauern, vom Markttreiben, dem Kutschverkehr vor einem kaiserlichen Posthaus, dem Klosterleben und vielem anderen mehr.

Schaut man sich in der „Puppenstadt“ aufmerksam die Ausstattung der fürstlichen Räume an, erkennt man in dieser „Welt im Kleinen“ manches Detail der „großen“ barocken Ausstellung im Schlossmuseum wieder.

Die Entstehung der Puppensammlung "Mon plaisir"

Entstehungsort dieser Sammlung ist im Wesentlichen das Lustschloss der Fürstin Auguste Dorothea, die Augustenburg, zwischen 1700 und 1708/10 nahe bei Arnstadt erbaut. Auguste Dorothea, Tochter des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel und Gemahlin des Grafen, seit 1697 Fürsten Anton Günther II. von Schwarzburg-Arnstadt, gab sich in der Abgeschiedenheit ihres Lustschlosses ihrer künstlerischen Sammelleidenschaft hin, wobei zu ihren Sammelobjekten Porzellane und Gemälde ebenso wie Schmuck und andere kunsthandwerkliche Erzeugnisse zählten.

Es ist bekannt, dass sich die Fürstin in ihrer Eigenschaft als Kunstsammlerin hoch verschuldete, wozu nicht zuletzt auch der durchaus kostspielige Erwerb ihrer Puppensammlung geführt haben dürfte. Endlose Hinweise über das Schuldenwesen der "Herzogin zur Augustenburg", wie Auguste Dorothea sich später offenbar selbst bezeichnete, füllen die Akten, so u.a. 600 Reichstaler, die ihr 1707 das Erfurter Ursulinenkloster lieh - wobei eine Beziehung zum Orden der Ursulinen, die in der Folgezeit bestand, wohl den Anlass zur Gestaltung mehrerer Klosterszenen in der Puppensammlung gab.

Am 31. Dezember 1715 konvertierte Auguste Dorothea zum Katholizismus und kurz darauf erteilte Anton Günther seiner Gemahlin und ihren katholischen Bediensteten die Erlaubnis, auf der Augustenburg katholische Gottesdienste zu zelebrieren. 1751 wurde Auguste Dorothea - laut vorheriger Vereinbarung mit dem Konvent - in der Klosterkirche des Erfurter Ursulinenklosters bestattet.

Obwohl der Hauptteil der Puppensammlung auf der Augustenburg entstanden sein dürfte, können Anfänge hierzu noch während des Aufenthaltes der Auguste Dorothea im Arnstädter Residenzschloss Neideck vermutet werden. Eine erste Rechnung über 24 Reichstaler "an Poppenzeug" und noch einmal sechs Groschen für "1/4 Loth Poppenzeug", gekauft auf der Leipziger Ostermesse 1697, steht wohl im Zusammenhang mit dem Vorhaben der Fürstin.

Die auf mehreren Objekten der Sammlung enthaltenen Jahreszahlen umspannen im Wesentlichen den Zeitraum von 1704 bis 1751, wobei einige wenige aus diesem Zeitraum herausfallende Jahreszahlen auch Phantasiezahlen sein könnten. Nicht zuletzt stilistische Kriterien sowie jüngste Erkenntnisse zur Herkunft und Machart der Puppen stützen dabei die Annahme, dass die Hauptentstehungszeit des "Mon plaisir" die 20er und 30er Jahre des 18. Jahrhunderts sind, wobei bis zum Tode der Fürstin 1751 die Sammlung mehr oder weniger regelmäßig ergänzt wurde.

Die Ornamentik des Interieurs ist der Raumgestaltung der Régence verpflichtet, deren vorherrschendes Merkmal das Bandelwerk ist. Dem Barock zuzuordnende Miniaturmöbel ergänzen das Bild. Rocaillen als Kennzeichen des seit ca. 1740 aufkommenden Rokoko finden sich nicht. Viele kleine keramische Erzeugnisse in "Mon plaisir" wurden in der Fayencemanufaktur Dorotheenthal hergestellt. Die Manufaktur wurde 1715 gegründet und befand sich in unmittelbarer Nähe der Augustenburg. Etliche dieser Produkte in der Puppensammlung sind gemarkt und signiert und lassen sich in die frühe Phase der Manufaktur - bis etwa 1735 - datieren. Jüngsthin können verschiedene Miniaturgefäße und -geschirre einer besonderen Blautöpferware, nämlich den Arnstädter Fayencen zugeordnet werden.

Unikate der Puppensammlung "Mon plaisir"

Neben den bereits genannten Produkten kunsthandwerklicher Art musste eine Vielzahl weiterer Miniaturgegenstände angefertigt werden, um ein lebensnahes Abbild einer kleinen thüringischen Residenzstadt zu zeichnen, welches die Fürstin Auguste Dorothea offenkundig anstrebte. Die Zahl der bislang anonym gebliebenen Handwerker, die im Auftrage der Fürstin am "Mon plaisir" gearbeitet haben, ist unbekannt. Vage Hinweise deuten an, dass Auguste Dorothea auch ihren Hofstaat zur Fertigung der Puppensammlung hinzugezogen hat und es möglicherweise ihre Hofdamen waren, die an der Herstellung der Garderobe der Püppchen mitwirkten. Neuere Erkenntnisse lassen darüber hinaus die Schlussfolgerung zu, dass die Puppen, die das Umfeld der Ursulinen tangieren, im Erfurter Ursulinenkloster entstanden sind.

Die filigranen Puppenköpfe

Als ungeklärt muss die Urheberschaft der kunstvoll gefertigten Puppenköpfe - hervorragend gearbeitete, aus mit verschiedenen Zusätzen versehenem Bienenwachs hergestellte Keroplastiken - angesehen werden, von denen einige wenige Porträtcharakter tragen dürften.

Das Schicksal der Puppensammlung "Mon plaisir" nach dem Tod der Auguste Dorothea

1765, vierzehn Jahre nach dem Tode der Auguste Dorothea, wurde die Augustenburg auf Abbruch verkauft. Die Puppensammlung "Mon plaisir" gelangte ins Arnstädter Waisenhaus und wurde zunächst als Bestandteil eines kleinen Raritätenkabinetts neben anderen Kunstgegenständen, Naturalien und Kuriositäten interessierten Besuchern gegen ein geringes Eintrittsgeld gezeigt.

Nachlassendes Besucherinteresse, schlechte Unterbringung und mangelnde Pflege der Sammlung veranlassten wohl die Fürstin Marie von Schwarzburg-Sondershausen, das "Mon plaisir" Ende 1881 in das "Neue Palais" in Arnstadt überführen zu lassen. Von dort gelangte die Puppensammlung 1892 in das Schloss zu Gehren, wo sie noch 1930 in zwei größeren Räumen des zweiten Obergeschosses untergebracht war. Laut Stiftungsgesetz von 1919 fiel im Jahre 1930 die Puppensammlung dem Arnstädter Schlossmuseum zu. Dort wurde sie am 24. Mai 1931 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist seitdem Bestandteil der Sammlungen des Arnstädter Schlossmuseums.

Link Erleben Sie hier einen virtuellen Rundgang durch die Puppenstadt.